Domäne Lilienfeld

Arch. Walter Hildebrand bei der "Thermenregion Top 100" Präsentation im Wiener Museumsquartier

Interview: Wein und Design?

Architekt Walter Hildebrand von der Domaene Lilienfeld im Gespräch mit Kulturjournalistin Dr. Michaela Hermann

Dr. Michaela Hermann: Herr Hildebrand, wie macht ein Architekt Wein?

Architekt Walter Hildebrand: Ja, er macht eben Weine mit viel Struktur! Vor allem aber arbeiten wir in der jetzigen Phase mit einigen der besten Winzer der Thermenregion zusammen, auch mit ein paar der besten Beratern des Landes. Es sind also keine Baufirmen am Werk.

Hermann: Sie sind für die Revitalisierung mehrerer wichtige historische Denkmäler in Österreich bekannt, so zum Beispiel die Kartause Gaming, Schloss Vösendorf und Schloss Petronell, auch dafür, dass die Landesausstellung in 1991 eben nach Gaming gebracht wurde. Ich glaube Sie waren auch maßgeblich daran beteiligt, die Landesausstellung 2011 nach Carnuntum zu bringen. Warum jetzt Domaene Lilienfeld / Lilienfelderhof? Und warum ein Weingut in der Thermenregion?


Hildebrand: Die Geschichte und das Potenzial von Domaene Lilienfeld sind einfach unglaublich. Das Weingut befindet sich im Herzen eines der aufregendsten Weinregionen Mitteleuropas und knapp außerhalb der Weltstadt Wien. Das Weingut wurde vor 800 Jahren von Mönchen des aus Burgund stammenden Zisterzienserordens gegründet und hat tiefe Wurzeln in der Geschichte der europäischen Weinkultur. Es waren die Zisterzienser, denen die Einführung von Pinot Noir in Österreich zu verdanken ist und die, zusammen mit den Benediktinern, für die Definition von Terroir in Frankreich verantwortlich waren. Dieses “Terroir Projekt” hat die europäische Weinkultur auf eine neue Ebene gebracht und ist eine der Ursachen für den hohen Standard der heutigen Weintechnik.

Die prachtvollen Gebäude und die vorzüglichen Weinlagen machen Domaene Lilienfeld zu einem der attraktivsten Weingüter des Landes. Die spätgotische Kirche, der Heurige und der Kellerbereich aus dem Mittelalter, das Herrenhaus und der alte Brunnen haben ein Ambiente, das sonst fast nicht zu finden sind.

Das Gut hat im Leben der Region immer eine wichtige Rolle gespielt. Während der russischen Besatzung haben viele Menschen ihre Verpflegung aus einer Geheimküche des Weinguts holen können. Der Heurige—auch unter dem legendären Pater Martin—war immer der gastronomische Treffpunkt in Pfaffstätten, und viele Menschen der älteren Generation haben ihre Kindergartenjahre am Weingut verbracht, da der Ortskindergarten eben dort zu Hause war.

Dies bedeutet aber auch, dass die Revitalisierung des Weinguts eine enorme Verantwortung darstellt. Meine Familie und ich sind für die Unterstützung und das Wohlwollen, das uns bis jetzt entgegengebracht wurde, sehr dankbar.


Hermann: Und warum ist das Weingut Wein-technisch so interessant?

 

Hildebrand: Seit über 800 Jahren hat man hier Wein produziert, aber schon vorher wurde in der Thermenregion von den Römern und den Kelten Wein gekeltert, insgesamt also ein Zeitraum von mehr als 2.000 Jahren.  Als wir das Weingut baurechtlich erworben haben, haben wir 16 ha Weingärten übernommen, mit mehreren alten Weingärten auf sehr hochwertigen Lagen. Letztendlich musste die Hälfte davon gerodet werden und wir werden sie in den kommenden Jahren neu aussetzen. Die Weingärten, die wir erhalten haben, sind alt und ideal für die Produktion von hochwertigen Weinen. Und die Ergebnisse aus unseren ersten Weinwettbewerben haben dies sehr rasch bestätigt.


Hermann: Was ist das besondere am Rotgipfler?

 

Hildebrand: Rotgipfler ist eine Kreuzung zwischen Traminer und Rotem Veltliner und hat eine unglaubliche Kombination von frischer Säure und opulenter Frucht. Wenn die Erträge nicht zu groß sind und die Trauben die Zeit haben, ganz reif zu werden, sind die Ergebnisse oft spektakulär. Unser Therlberg Rotgipfler, zum Beispiel, ist ein ganz besonderer Wein.

 

Hermann: Wie schaut Ihre Vision für das Weingut aus?

 

Hildebrand: Seit jeher produziert Domaene Lilienfeld oder Lilienfelderhof Wein und bietet einen beliebten Heurigen an. Wir wollen auf dieser Tradition aufbauen, gleichzeitig aber auch die neuesten Erkenntnisse anwenden sowie einige Innovationen einführen.

 

Hermann: Wann wird der Heurige wieder aufgemacht?

 

Hildebrand: Ich rechne damit dass der Heurige im Jahr 2011 wieder aufgemacht wird. Unter anderem erwarten wir, damit auch ein beliebtes Ziel für Hochzeiten und Seminare zu werden.